Junge Köchin vom Strasserwirt in schwarzer Kochkleidung im Freien bei einem Hochbeet beim Ernten eines Salats (c) Foto Hannes Niederkofler

Zu Gast, wo Genuss beginnt

Mit der Natur. Mit der Region. Miteinander.

Durch die Gärten, in die Küchen, an die Tische

Es duftet nach frischen Kräutern, in der offenen Küche wird angerichtet, am Tisch reicht jemand eine Schüssel weiter. Genuss hat viele Anfänge. Manchmal liegt er im eigenen Garten, manchmal in einem überlieferten Rezept oder in der Idee, Menschen zum gemeinsamen Kochen und Kosten zusammenzubringen. In den Schlosshotels & Herrenhäusern begegnen wir Gastgebern, die ihre Region auf den Teller bringen. Wir streifen mit ihnen durch Kräuterbeete, entdecken altes Küchenwissen und nehmen an einer Tafel Platz, an der ein Gang überraschender ist als der nächste.

Tablett mit Blüten für die Zubereitung in der Küche vom Strasserwirt (c) Foto Hannes Niederkofler
Weisser Teller mit Parmesangitter und Blütenblättern, in welchen gerade aus einem weissen Kännchen eine cremige Suppe gegossen wird (c) Foto Strasserwirt, Hannes Niederkofler

Ansitz Strasserwirt: Der „kräutle garten“ mit Wurzeln im 17. Jahrhundert

In den drei Gourmetstuben des Ansitz Strasserwirt in Osttirol kommt auf den Tisch, was die Region zur jeweiligen Jahreszeit hergibt. Ein Teil der Zutaten kommt aus dem eigenen Garten, dessen Geschichte bis ins Jahr 1635 zurückreicht. Schon damals wurde hier ein „kräutle garten“ erwähnt. Heute gedeihen in sieben Hochbeeten Salate, Gemüse und Kräuter; eines ist ganz den essbaren Blüten gewidmet. Vom Acker kommen Kartoffeln und Kohl, aus den Obstwiesen Äpfel, Birnen und Quitten. Seit über drei Jahrzehnten begleitet Margit, langjährige Mitarbeiterin des Hauses, dieses Wachsen und Werden – mit Mischkultur, natürlichen Mitteln und viel Gartenwissen. Erntefrisch gelangt das Gemüse in die Küche, wo Alexander Waldnig es mit handwerklichem Können zu leichten, kreativen Haubengerichten veredelt. Jede Nudel, jede Teigtasche ist hausgemacht und frisch zubereitet.

Mit Margit durchs Gartl


Im Sommer nimmt Margit einmal pro Woche Gäste mit durch den Garten und teilt, was sie über die Pflanzen und ihre Pflege weiß. Im Lyrischen Garten werden bei Schönwetter auch die Yogamatten ausgerollt. Und bei „Strasserwirt & Friends“ findet man an der langen Tafel zusammen: zum Essen, Erzählen und gemeinsamen Genießen.

Vorbereitung des Supperclub: Mehrere weisse Teller mit einem Fleischgericht, wobei auf einen davon die Sauce verteilt wird (c) Ansitz Felsenheim
Benedikt Kössler vom Ansitz Felsenheim in der Küche mit einem Mitarbeiter bei den Vorbereitungen für den Supperclub (c) Ansitz Felsenheim

Ansitz Felsenheim: Die besten Partys finden in der Küche statt

Im Ansitz Felsenheim in Lermoos in Tirol beginnt der Tag mit Eiern von den eigenen Hühnern und Kräutern aus dem Garten. Schon beim Schlemmerfrühstück zeigt sich, wie nah hier guter Geschmack und bewusste Herkunft beieinanderliegen. Das Haus unterstützt kleine Land- und Almwirtschaften, setzt sich für Artenvielfalt ein und geht sorgsam mit Lebensmitteln um. Später nimmt man im Turmcafé Platz – oder lässt sich bei einem der gemeinsamen Essen von Benedikt Kösslers Kochideen überraschen.

Benedikt Kössler bittet zu Tisch


Der Juniorchef und Koch des Hauses begann seine Ausbildung in der Küche von Johanna Maier in Filzmoos. Danach arbeitete er in München, London und Kopenhagen und sammelte Erfahrungen, die er zurück ins Felsenheim mitbrachte. Hier setzte er seine eigene Küchenidee um: 2022 entstand im bisherigen Apartmenthaus ein Gastraum mit offener Küche.

Beim monatlichen Supperclub serviert Benedikt sechs Überraschungsgänge mit Zutaten aus der Region. Was als Nächstes kommt, bleibt spannend; der Abend ungezwungen. Beim wöchentlichen Hausdinner kommen österreichische Gerichte mit modernem Twist auf den Tisch. Und beim Pizza-Abend duftet es nach frisch gebackenem Teig, Tomaten und Kräutern – eine kleine Hommage an die italienischen Nachbarn. Durch die offene Küche bleibt man nah am Geschehen – schaut zu, kommt ins Gespräch und fühlt sich ein wenig wie bei Freunden, bei denen man zum Essen bleibt.

Blick auf zwei kupferne Braukessel im Bio-Restaurant Einkehr vom Stiegl-Gut Wildshut (c) Foto Gabriele Scheinast
Ein Tisch voller Köstlichkeiten im Bio-Restaurant Einkehr vom Stiegl-Gut Wildshut (c) Foto Stefan Sigl

Stiegl-Gut Wildshut: Bio-Genuss aus eigener Hand

Etwa eine halbe Autostunde nördlich von Salzburg gehören auf dem Stiegl-Gut Wildshut Landwirtschaft, Brauerei, Brennerei und Restaurant zusammen. Was auf den Feldern wächst, wird am Gut verarbeitet und lässt sich vor Ort kosten. Der Gedanke der Kreislaufwirtschaft reicht dabei bis zur Einrichtung: Aus alten Bierkisten wurden Regale, Möbel aus der Stiegl-Brauwelt fanden hier einen neuen Platz.

Vom Garten auf den Tisch, vom Korn ins Glas

Was das Gut und die Bauern der Umgebung gerade ernten, gibt im Bio-Restaurant Einkehr Wildshut die Richtung vor. Die Einkehr ist Partner von Slow Food Salzburg und setzt auf Bio-Lebensmittel; das Fleisch stammt überwiegend aus der eigenen Landwirtschaft. Im eigenen Kräuter- und Gemüsegarten hilft das Küchenteam beim Anbau von Urkarotten, Haferwurzel und alten Tomatensorten mit – und weiß die Ernte auch am Herd entsprechend zu schätzen. Beim Sharing-Menü lässt sich gemeinsam entdecken, was daraus entsteht.

Auch im Glas findet sich der Geschmack des Gutes wieder. Für die Wildshuter Bio-Biere werden eigenes Bio-Urgetreide und Hopfen angebaut, vor Ort wird gemälzt, geröstet und gebraut. Und wer den Abend mit einem Digestif ausklingen lassen möchte, entdeckt im Bio-Edelbrand das Bier „Sortenspiel“ in destillierter Form.

Selber machen, Zusammenhänge entdecken


Bei den Werkstätten am Wildshut Campus lässt sich das Handwerk selbst kennenlernen – beim Brotbacken im Holzofen ebenso wie bei Angeboten rund um Bier, Genuss und Kräuterkunde. So bleibt vom Besuch auch Wissen, das zu Hause weiterwirkt.

Norbert Niederkofler, Ansitz Heufler (c) Foto Alex Moling

Ansitz Heufler by Norbert Niederkofler: Cook the Mountain

Norbert Niederkoflers „Cook the Mountain“-Philosophie gibt im Ansitz Heufler in Rasen-Antholz die Richtung vor: Gekocht wird mit dem, was die alpine Umgebung und die Jahreszeit hergeben, und mit dem Wissen, das in Südtirol über Generationen weitergetragen wurde. Unter seiner Leitung bleibt die Küche eng mit den Dolomiten und der bäuerlichen Kultur Südtirols verbunden. Graukäse-Pressknödel, Schlutzer oder Polenta mit Pilzen machen diese Haltung schmeckbar – vertraute Gerichte, in denen Herkunft und überlieferte Rezepte ihren Platz behalten.

Miteinander teilen, gemeinsam kosten


Ein Gericht wandert weiter, vom nächsten nimmt man noch eine Kostprobe. Beim Sharing-Menü im Ansitz Heufler wird geteilt und probiert wie am Familientisch. So lebt die Gasthauskultur weiter, getragen von Südtiroler Rezepten und der Freude am gemeinsamen Essen. Dazwischen bleibt Zeit zum Erzählen und Zuhören – und für die Frage, was man wohl als Nächstes kosten möchte.

Grossaufnahme von weissem Fleisch auf einem Grill vom Schlosshotel Iglhauser (c) Foto Schlosshotel Ighlauser
Das Schlosshotel Iglhauser vom Garten aus fotografiert mit einer Trauerweide im Vordergrund (c) Foto Schlosshotel Iglhauser

Schlosshotel Iglhauser: Fisch aus eigenem Bestand

Der Mattsee vor Augen, Fisch aus eigenem Fischwasser auf dem Teller. Im Schlosshotel Iglhauser steht Seniorchefin Anna Iglhauser selbst am Herd und führt die Küche. Vieles kommt aus der Nachbarschaft, aus naturnahem Anbau; die Kräuter zieht sie selbst. Ihre haubengekrönten Gerichte werden in den alten Stuben oder im Gastgarten mit Seeblick serviert. Dazu ein Wein aus dem gut bestückten Keller – und Zeit, jeden Gang in Ruhe zu genießen.

Salzburger Küchengeschichte zum Kosten


Manche Anregung findet Anna Iglhauser im historischen „Salzburger Kuchlgärten-Buch“. Sie greift die überlieferten Rezepte auf und bringt sie mit ihrem Handwerk in die Gegenwart. So wird ein Essen am Mattsee auch zu einer Begegnung mit der alten Salzburger Küche – und mit Aromen, auf die man selbst vielleicht nicht gekommen wäre.

Die Küchenmannschaft vom Hotel Alte Post (c) Foto Felix Groteloh

Hotel Alte Post: Das erste Umwelthotel Deutschlands

In der Alten Post in Müllheim beginnt bewusster Genuss beim Einkauf. Man wählt, was gerade Saison hat, und kennt die Produzenten persönlich. Nachhaltiges Wirtschaften hat hier Tradition – bereits 1991 wurde das Haus als erstes Umwelthotel Deutschlands ausgezeichnet. Demeter-Gemüse vom Piluweri Hof, Weidehähnchen aus St. Peter und Forellen aus dem Schwarzwald finden ihren Weg in die Küche, ergänzt durch Kräuter aus dem eigenen Garten. Gastgeber und Chefkoch Noah Nazarek macht daraus eine kreative Hommage an die Region, die auch Falstaff und Gault&Millau zu schätzen wissen.

Die Jahreszeiten geben den Geschmack vor


Was Garten und Höfe gerade hergeben, bestimmt die Gerichte. Spargel und Erdbeeren bringen den Frühling auf den Teller, im Sommer genießt man im Gartenlokal unter alten Platanen leichte Gerichte und Gegrilltes, begleitet von einem kühlen Glas Gutedel. Später ziehen Wild und Schwarzwaldpilze in die Küche ein. Dann sitzt man wieder drinnen in der Hebelstube, während sich das Küchenjahr langsam den festlichen Wintermenüs zuwendet.

Mitkochen, kosten, zusammenkommen


Wer selbst mit Hand anlegen möchte, lernt bei den Kochkursen die Naturküche des Hauses kennen. Weinverkostungen und saisonale Gourmetabende geben weitere Anlässe, zusammenzukommen und Neues zu kosten. Wie persönlich das werden kann, zeigen Veranstaltungen wie die Küchenparty mit Familie Mack Nazarek oder der Kochkurs „Vater & Sohn“, bei dem Heinrich Mack und Noah Nazarek ihre Lieblingsrezepte weitergeben.

Herbstgericht auf einem weissen Teller, darunter eine blaue Tischdecke, daneben Blumen in einer Vase und ein Glas Rotwein im Gasthof Herrnhaus (c) Foto Sebastian Gabriel
Maximilian Moigg vom Gasthof Herrnhaus mit Jägerhut vor einer Holzhütte im Wald (c) Foto Sebastian Gabriel

Gasthof Herrnhaus: Selbst angebaut, selbst erlegt, von Hand gemacht

Schon als Kind schaute Lukas Moigg seinem Vater Christian am Herd über die Schulter. Heute verbindet er im Gasthof Herrnhaus mitten in Brixlegg die vertraute Tiroler Wirtshausküche mit eigenen, kreativen Ideen. Seine Haubengerichte genießt man in holzgetäfelten Stuben oder draußen unter den Kastanienbäumen.

Vieles, was hier serviert wird, begleitet die Familie lange vor dem Kochen. Lukas und Maximilian Moigg gehen mit dem langjährigen Mitarbeiter Simon Huter in Kramsach auf die Jagd. Das Wild wird anschließend im Herrnhaus verarbeitet. Sandra Moigg zieht im eigenen Naturgarten Gemüse und Kräuter, die später den Gerichten Frische und Würze geben. Für seine ökologische Bewirtschaftung trägt der Garten die „Natur im Garten“-Plakette.

Auch Simon bringt sein Handwerk in die Küche ein und stellt die Nudelteige des Hauses von Hand her. So hat hier vieles eine persönliche Geschichte, bevor es serviert wird – und wer nach der Herkunft fragt, erfährt dabei auch etwas über die Menschen im Herrnhaus.

Sandra Moigg vom Gasthof Herrnhaus im Dirndl, schräg am Rand eines Hochbeetes sitzend, bei ihren selbst gezogenen Kräutern (c) Foto Sebastian Gabriel

Wer selbst anbaut, alte Rezepte bewahrt und sein Wissen weitergibt, zeigt, was ihm gutes Essen bedeutet. In diesen Schlosshotels darf man daran teilhaben – im Garten, am Herd und am gemeinsamen Tisch.

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