Architektur. Kultur. Besondere Häuser.
Städtereisen lassen sich auf viele Arten erleben. Manchmal führen sie von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, manchmal von Café zu Museum, von Straße zu Platz. Diese Reise folgt einer anderen Haltung. Einer Idee von Architektur, die den Blick schärft für das, was zwischen Fassaden, Plätzen und Räumen entsteht – und geprägt ist von einer Persönlichkeit, die Bauwerk, Mensch und Umgebung stets miteinander gedacht hat: Clemens Holzmeister.
Clemens Holzmeister zählt zu den prägendsten österreichischen Architekten des 20. Jahrhunderts und gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer von Monumental- und Sakralbauwerken seiner Zeit. In seinem langen Leben entwarf er über 650 Projekte im In- und Ausland, von denen der Großteil auch realisiert wurde. Holzmeister verstand Architektur als verbindende Kraft zwischen Einfachheit und Expressivität. Zwischen Tradition und Moderne. Und genau hier zeigt sich auch die Verbindung zu den Schlosshotels & Herrenhäusern: historische Häuser, die nicht stehen geblieben sind, sondern weitergedacht werden. In denen Geschichte, Gegenwart und Leben ganz selbstverständlich ineinandergreifen. Orte, die selbst Teil des Erlebnisses werden.
Unsere Reise führt von Wien über Salzburg und St. Anton am Arlberg bis nach Dürnstein – und zeigt, wie sich Städte, Architektur und besondere Häuser auf neue Weise erschließen lassen.


Wien: Ursprung, Denken und gelebte Architektur
Wien ist der Anfang. Hier studierte Clemens Holzmeister, hier lehrte er über Jahrzehnte hinweg und prägte Generationen von Architekten. Die Stadt war geistige Heimat, Werkstatt und Bühne zugleich. Bereits früh gelang ihm hier auch der architektonische Durchbruch: Mit der 1922 eingeweihten Feuerhalle Simmering – dem Krematorium neben dem Wiener Zentralfriedhof – machte er erstmals überregional auf sich aufmerksam. Das Bauwerk steht exemplarisch für sein Verständnis von Architektur: klar, würdevoll, wirkungsvoll ohne Pathos.
Wien blieb für Holzmeister jedoch nicht nur Ort des Bauens, sondern auch des Gestaltens im weiteren Sinn. 1934/35 war er als Stadtrat für Kunst Mitglied der Wiener Bürgerschaft und in dieser Funktion an zahlreichen größeren Bauvorhaben in Österreich beteiligt. Wer Wien auf seinen Spuren erkundet, erlebt daher keine einzelne Ikone, sondern ein urbanes Gefüge aus Geschichte, Kultur und architektonischer Haltung. Zwei unserer Häuser liegen mittendrin – und machen das Leben und Denken Clemens Holzmeisters auf unterschiedliche Weise erlebbar.
Kunst, Design & Architektur als DNA im Hotel Altstadt Vienna
Das Hotel Altstadt Vienna versteht sich als Kunst- und Designhotel, in dem Architektur fester Bestandteil der Identität ist. Zimmer und Suiten wurden von renommierten Architekten, Künstlern und Designern entworfen – darunter Persönlichkeiten wie der weltberühmte Architekt Matteo Thun, der zeitgenössische Modedesigner Atıl Kutoğlu oder das Atelier Olschinsky. Ein Haus, das die Räume selbst erzählen lässt. Ein Haus, das exemplarisch für den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart steht. So, wie ihn auch Clemens Holzmeister stets suchte.
Hotel König von Ungarn zwischen Gassen, Geschichte & Architektur
Ein Wien-Besuch auf den Spuren Holzmeisters bedeutet: sehen lernen. Auf Proportionen achten. Auf Übergänge. Auf das Zusammenspiel von Alt und Neu. So wird Wien nicht nur besucht, sondern verstanden. Das Hotel König von Ungarn liegt mitten in diesem Gefüge. Seit Jahrhunderten Teil des Stadtraums, hat das Haus Wandel erlebt und bewahrt – und ist zugleich ein idealer Ausgangspunkt, um Wien als Stadt der Architektur und Geschichte Schritt für Schritt zu entdecken.


Salzburg: Von Stiege und Bühne zum Ehrenbürger der Stadt
Salzburg lebt von starken Bildern – und von den leisen architektonischen Eingriffen dazwischen. Die Clemens-Holzmeister-Stiege ist einer davon – ein funktionaler, zugleich gestalterischer Übergang, der Bewegung, Raum und Stadt gekonnt miteinander verbindet. Entstanden 1937 im Zuge des Ausbaus des Kleinen Festspielhauses der Salzburger Festspiele, führt sie heute entlang der Fassade des Bühnenhauses vorbei und steht exemplarisch für Holzmeisters dialogisches Verständnis von Architektur.
Clemens Holzmeister prägte Salzburg jedoch weit über diesen Eingriff hinaus – insbesondere durch seine enge Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen. Für Max Reinhardts legendäre Faust-Inszenierung entwarf er 1933 die sogenannte Fauststadt in der Felsenreitschule. Zwei Jahrzehnte später folgte am selben Ort eine Don-Giovanni-Stadt für Mozarts Don Giovanni unter der Leitung von Wilhelm Furtwängler. Architektur wurde dabei Bühne und Raum zugleich – und damit selbst Teil des Theaters.
Mit dem Bau des damaligen „Neuen“, heutigen „Großen Festspielhauses“ erreichte seine Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen 1960 einen Höhepunkt und hinterließ eines seiner zentralen Werke in der Stadt. Holzmeister verstand Architektur hier als tragenden Rahmen für Kunst und Kultur: präsent, aber nie dominant. Für sein Wirken wurde er 1976 schließlich zum Ehrenbürger der Stadt Salzburg ernannt.
Kultur, Geschichte und Rückzug im Hotel Schloss Leopoldskron
Nur wenige Minuten außerhalb des städtischen Trubels liegt Schloss Leopoldskron – ein Ort, der früh zum geistigen Gegenpol der großen Festspielbühnen wurde und heute zu den kulturell bedeutendsten historischen Hotels in Salzburg zählt. Hier trafen sich Intellektuelle, Künstler und nicht zuletzt Max Reinhardt selbst.
Der Theaterpionier und Mitbegründer der Salzburger Festspiele verstand Kunst als Gesamterlebnis und prägte Leopoldskron nachhaltig. Mit der Errichtung der Max-Reinhardt-Bibliothek gab er dem Schloss neues geistiges Leben. Inspiriert von der Stiftsbibliothek St. Gallen übertrug er deren Atmosphäre bewusst nach Salzburg – nicht als Kopie, sondern als räumliche Idee, angepasst an andere Maßstäbe und Lichtverhältnisse. So entstand ein Ort, der Denken, Sammlung und Atmosphäre architektonisch vereint.
Schloss und Bibliothek fügen sich, eingebettet in Park und Weiher, zu einem ruhigen Ganzen. Nichts wirkt isoliert; Innen- und Außenräume gehen fließend ineinander über, Spaziergänge werden zu architektonischen Erfahrungen. Leopoldskron steht damit für jene Qualitäten, die auch Clemens Holzmeister wichtig waren: Maß, Atmosphäre und Kontext. Die Nähe zur Stadt eröffnet kulturelle Wege, der Rückzug ins Schloss schafft Ruhe und Tiefe. Salzburg lässt sich von hier aus nicht nur besichtigen, sondern bewusst erleben – als Stadt der Architektur, der Kunst und der leisen Übergänge.


St. Anton am Arlberg: Die Pfarrkirche St. Anton im Dialog der Zeiten
Die Pfarrkirche St. Anton am Arlberg geht auf einen barocken Bau von 1698 zurück und prägt seit Jahrhunderten das Ortsbild. 1932 vergrößerte und erweiterte Clemens Holzmeister das Gotteshaus in behutsamer Weise: Er verband die barocke Bausubstanz mit neuen Elementen, wobei ein neuer, niedrigerer Turm bewusst als eigener Akzent gesetzt wurde, ohne den historischen Charakter zu überformen. Sein Entwurf gilt als frühes Beispiel typologischer Denkmalpflege, in dem Altes und Neues nicht im Widerspruch stehen, sondern in ein sensibles, zeitgemäßes Spannungsverhältnis treten.
Das Bergschlössl zwischen Geschichte und Gegenwart
Etwas oberhalb des Dorfes liegt Das Bergschlössl – ein kleines historisches Boutiquehotel, in dem sich genau diese Haltung fortsetzt. Auch hier begegnen sich Tradition und Zeitgeist nicht als Gegensätze, sondern als selbstverständliche Ergänzung. Reduziert in der Form, ruhig in der Atmosphäre und auf das Wesentliche konzentriert, bildet das Haus einen bewussten Gegenpol zur Dynamik des Ortes.


Dürnstein: Clemens Holzmeister und seine Liebe zur Wachau
Dürnstein ist kein Ort großer Monumente, sondern einer der leisen Übergänge. Donau, Ruine, Weinberge und historische Häuser formen eine dichte Kulturlandschaft, in der Architektur und Natur untrennbar miteinander verbunden sind. In seiner künstlerischen Arbeit Dürnstein (1968, Albertina Wien) setzte sich Holzmeister zeichnerisch mit dem Ort auseinander – aufmerksam für Maß, Topografie und Verhältnis von gebautem Raum und Landschaft. Die Arbeit zeigt, wie sehr ihn das Zusammenspiel von Landschaft und Architektur beschäftigte – und wie wichtig ihm Orte waren, die als Ganzes wirken.
Wahrscheinlich war es genau das, was auch Holzmeisters persönliche Verbundenheit zur Wachau begründete. Immer wieder hielt er sich hier auf und feierte zahlreiche seiner Geburtstage in der Region – oft im Kreis von Schülern und Weggefährten.
Das Hotel Richard Löwenherz im Rhythmus der Wachau
Direkt an der Donau gelegen fügt sich das Hotel Richard Löwenherz ganz selbstverständlich in diese eindrucksvolle Kulturlandschaft ein. Das ehemalige Kloster lebt von seiner Lage, seiner Geschichte und der Ruhe, die es ausstrahlt. Mauern, Höfe und Gärten wirken nicht inszeniert, sondern gewachsen. Und Architektur wird hier nicht erklärt – sie entfaltet sich beim Gehen, Schauen, Verweilen.
Dürnstein bildet den ruhigen Abschluss dieser Reise. Kein klassischer Citytrip, sondern ein Ort, an dem Holzmeisters Verständnis von Architektur noch einmal in besonderer Klarheit spürbar wird.

Diese Reise zeigt, wie sich Städtereisen neu denken lassen. Nicht über Schnelligkeit, sondern über Zusammenhänge. Nicht über Quantität, sondern über Tiefe. Auf den Spuren von Clemens Holzmeister – und auf dem Weg zu einem bewussteren Erleben von Stadt, Architektur und besonderen Häusern.
Headerfoto: Clemens-Holzmeister-Stiege in Salzburg (c) Wikimedia Commons, CC0 1.0 (Public Domain)
Fotocredits für das Beitragsfoto auf der Vorschauseite: Otto Skall (Public Domain)












