Seit mehr als 20 Jahren kehrt der österreichische Schauspieler während seiner Wiener Dreharbeiten ins Altstadt Vienna am Spittelberg zurück. Längst ist es für ihn mehr als ein Hotel. Heute trägt eine Suite seinen Namen – gestaltet gemeinsam mit Architekt Roland Nemetz.
Das Altstadt Vienna pflegt eine besondere Tradition: Zimmer und Suiten tragen die Namen von Menschen, die das Haus geprägt haben – von langjährigen Stammgästen ebenso wie von Künstlern, Architekten und Designern. Mit der Harry K Room Suite widmete die Gastgeberfamilie Wiesenthal Harald Krassnitzer sogar schon vor ihrer Einrichtung eine eigene Suite – ein Vertrauensbeweis, der viel über die enge Verbindung zwischen Gast und Haus erzählt.
Denn Krassnitzer war hier nie nur Gast. Er kennt die Menschen hinter den Kulissen, erklärt Neuankömmlingen den Weg und hat schon einer verkühlten Mitarbeiterin Tee gekocht oder einer Servicedame zum Abschied ein Schutzengerl geschenkt. Heute trägt die fertige Suite die Nummer 85.


Rot, Violett und eine Kuh auf der Toilette
Der Wohnbereich wirkt hell und großzügig: hohe Stuckdecken, Fischgrätparkett und warme Sandtöne schaffen eine wohnliche Atmosphäre. Die auf Wunsch Krassnitzers verlegte Kitchenette verschwindet hinter einer Nussholz-Schiebetür. Ein Thonet-Esstisch mit Vitra-Stühlen, ein helles Ledersofa, ein dunkles Sideboard und die höhenverstellbaren Glastische von Eileen Gray prägen den Raum. Dazu kommen Designklassiker wie der Wink-Sessel von Cassina sowie Miniaturen von Vesna Muhr, die sich durch die Suite ziehen.
Das Schlafzimmer setzt einen bewussten Kontrast: dunkel, sinnlich und von einer tiefroten Wand dominiert. Ein runder Ledersessel, ein antiker Schreibtisch, ein Thonet-Stuhl und ein Orientteppich erinnern an das Wien der Jahrhundertwende. Über dem Sessel hängt ein Werk von Xenia Hausner, das Herzstück des Raumes ist jedoch das hohe, violette Chesterfield-Betthaupt – geschaffen für lange Lesestunden. Selbst auf dem Weg zur Toilette begegnet man Kunst: einer Kuh von Dan Walker. Im Flur begrüßt ein „Arnold Schwarzenegger“ von Jonathan Monk die Gäste.


Eine Zweitwohnung mit Zimmerservice
Krassnitzer hat hier nicht nur gewohnt, sondern Spuren hinterlassen. Die Sprossenwand im Flur brachte er selbst mit – ebenso sein Kofferradio. An der Wand hängt, sorgfältig gerahmt, der Satz: „Lest mehr Marx, esst mehr Obst.“
„In mein Zimmer zu kommen, fühlt sich an wie ein echtes Zuhause – wie eine Zweitwohnung, nur mit Zimmerservice“, sagt Krassnitzer. Genau dieses Gefühl macht den besonderen Charakter des Altstadt Vienna aus: persönliche Begegnungen, gelebte Gastfreundschaft und eine Atmosphäre auf Augenhöhe.
Im kunstdurchdrungenen Boutiquehotel hat Krassnitzer seine Handschrift auf die sympathischste Weise hinterlassen – mit einer Suite, die ihm erstaunlich ähnlich ist: stilvoll und eigenwillig, literarisch, humorvoll und mit einer Sprossenwand.











